Navigation
Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz

Gesundheitsforum:
Schilddrüsen-Chirurgie

Wenn die Schilddrüse ärgert

Fehlfunktionen des Organs werden meist medikamentös behandelt. Wann eine Operation nötig ist, war Thema beim SZ-Gesundheitsforum im St. Carolus im September 2016.

Ein Kropfband galt einst als unverzichtbarer Teil einer Volkstracht. Aber nicht nur als schmückendes Beiwerk. Es diente dazu, einen Kropf zu bedecken oder die Folgen einer Schilddrüsenoperation. Heute ist man auf derlei Trachtenschmuck aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angewiesen, erklärte die Chirurgin Christine Krause beim SZ-Gesundheitsforum im Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz. Zum einen sind die durch Jodmangel bedingten Kröpfe selten geworden. Und zum anderen werden OP-Schnitte heute in Hautfalten am unteren Halsbereich gelegt, sodass sie wenig auffallen.
 
Unter den 50 Zuhörern waren diesmal vor allem Frauen. Deren größeres Interesse zeigt, dass von Erkrankungen der Schilddrüse mehr weibliche Patienten betroffen sind. In Deutschland haben 40 Prozent der Frauen damit ein Problem und 20 bis 30 Prozent der Männer. Pro Jahr werden 5 300 neue Erkrankungen registriert. Meist handelt es sich um gutartige Knoten, die keine Beschwerden machen. „Bösartige Tumore in der Schilddrüse machen nur zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus“, so Christine Krause. Deren Ursache könne erblich bedingt sein oder auch durch Bestrahlungen gegen einen anderen Krebs.
 
„Die Schilddrüse braucht jeder Mensch. Das Organ beeinflusst die meisten Stoffwechselvorgänge“, erklärte Krause, die sich im vergangenen Jahr am Schilddrüsenzentrum der Uniklinik Halle weitergebildet hat. Funktioniert es nicht richtig, wirkt sich das auf Haare, Haut und Nägel, auf Augen, Psyche, aber auch auf Kochen, Nerven und innere Organe aus. „Schluckbeschwerden, Luftnot, Heiserkeit oder eine ungewöhnliche Zunahme des Halsumfangs können auf eine Erkrankung hinweisen“, so die Funktionsärztin am St. Carolus. Dem Verdacht wird mit Blutuntersuchung und Ultraschall nachgegangen. Zudem kann mit einem bildgebenden Verfahren der Nuklearmedizin überprüft werden, ob die Schilddrüse ausreichend Hormone produziert. Bei Verdacht auf Bösartigkeit wird der Knoten punktiert, Gewebe entnommen und pathologisch bewertet. 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nicht.
 
Die meisten Veränderungen der Schilddrüse wie deren Über- oder Unterfunktion werden medikamentös behandelt. Bei Bestätigung des Krebsverdachts, bei schnellwachsenden Knoten bei Jugendlichen oder bei einer mechanischen Beeinträchtigung von Luft- oder Speiseröhre wird operiert. Am St. Carolus allerdings nicht minimal-invasiv. Einzelne Knoten werden ausgeschält oder herausgeschnitten. Mitunter wird einer der beiden Schilddrüsenlappen entfernt. Nur bei bösartigen Tumoren ist eine vollständige Entfernung der Schilddrüse und gegebenenfalls der umliegenden Lymphknoten erforderlich. Über Medikamente wird die Leistung des fehlenden Organs dann ersetzt.


Text: Constanze Knappe für SZ Görlitz, 20.09.2017.

Ihr Ansprechpartner

Nils Walther
Nils Walther Chefarzt Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie
Sekretariat
Juanita Herold
Telefon: 03581 72-1102
Fax: 03581 72-1103
E-Mail