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Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz
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Operieren mit kleinen Schnitten

Über die rasante Entwicklung der minimalinvasiven Chirurgie sprach Chefarzt Nils Walther beim SZ-Gesundheitsforum.

Etwas abenteuerlich sieht es schon aus, was Nils Walther auf dem Tisch neben sich zu liegen hat. Der Chefarzt der Chirurgie im Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz demonstriert sein Handwerkszeug. Ein Spreizer etwa, mit dem bei einem konventionellen Schnitt das Operationsfeld freigelegt wird, kommt heute seltener zum Einsatz. Denn ein Großteil der Operationen in der Allgemeinen, Viszeral-, Thorax- oder Gefäßchirurgie wird mittlerweile minimal-invasiv ausgeführt. Durch Schnitte von drei bis zwölf Millimetern führt der Operateur die Instrumente in den Körper, zudem auch die winzige Kamera. Sie zeigt ihm auf einem Monitor, was er da gerade macht. „Für jede Anwendung gibt es ein spezielles Gerät. Damit geht vieles, was vor zehn Jahren noch gar nicht vorstellbar war“, erklärt Nils Walther. So werden zum Beispiel nach der Entfernung eines Stück Darms mit einem Klammernahtgerät die verbliebenen beiden Enden des Organs wieder zusammengesetzt. „Das ist genauso sicher, als würde man den Darm mit der Hand nähen. Es geht aber viel schneller“, sagt der Chefarzt.

Beim jüngsten Gesundheitsforum der SZ stellte der Görlitzer Arzt die „Chirurgie der kleinen Schnitte“ vor. Um aufzuklären. Denn noch immer hat so mancher Patient eine gewisse Scheu, ja sogar Angst vor der Operationsmethode, die er sich so gar nicht vorstellen kann, die aber inzwischen zum Standard gehört. Nicht nur im Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz und auch nicht nur in der Chirurgie.

Erfunden hat die laparoskopische Chirurgie, also den Eingriff durch „Schlüssellöcher“ in den Bauchraum, 1901 der Dresdner Georg Kelling, der die Methode zuerst an einem Hund anwandte. Danach dauerte es aber noch geraume Zeit, ehe sich diese Art des Operierens beim Menschen durchsetzte. Dabei liegen die Vorteile dessen für den Patienten klar auf der Hand: Kleine Schnitte bedeuten eine geringere Verletzung, weniger Schmerzen, einen geringeren Blutverlust, ein geringeres Infektionsrisiko. Die Wunde heilt schneller, es bleiben nur kleine Narben, der Patient kann eher entlassen werden und ist eher wieder fit.

Spezielle Scheren, Fasszangen, Klippsetzer und Tupfer sind nur einige dieser Geräte, mit denen das eingespielte OP-Team im Malteser-Krankenhaus täglich hantiert. „Als ich vor über zwanzig Jahren anfing, hätte ich nie gedacht, dass wir mal mit solchen Instrumenten arbeiten“, sagte der Chefarzt. Größtes Problem dabei: „Es kostet alles viel mehr Geld als früher.“ Nicht möglich sind minimalinvasive Eingriffe bei schweren Herz- und Lungenkrankheiten, bei Darmverschluss, schweren Gerinnungsstörungen oder einer schweren Bauchfellentzündung. „Mitunter ist nach kleinen Schnitten aber auch ein Umstieg auf das offene Verfahren nötig“, so Chefarzt Nils Walther. Im Prinzip aber sei mittlerweile fast alles mit kleinen Schnitten zu operieren. „Wenn man genügend Platz im Körper und die Technik wie den hochauflösenden HD-Turm hat“, nennt er als Voraussetzungen. Mit Hilfe sogenannter Trokare werden die „Schlüssellöcher“, also die Eingänge in den Körper, geschaffen und über ein Rohr offengehalten. Danach wird der Bauch mit Kohlendioxid aufgepumpt, um Platz und damit gute Sicht auf dem Operationsfeld zu schaffen. Ganz schlanke Menschen operiere er nur ungern minimalinvasiv, weil da zu wenig Platz im Körper sei, so Nils Walther. Dies sei nicht nur sein persönliches Empfinden, sondern auch in Studien nachgewiesen.

Nils Walther leitet seit 2012 die Chirurgie des St. Carolus und ist seit Mai dieses Jahres auch Ärztlicher Direktor des Malteser-Krankenhauses. Er entwickelte in dieser Klinik die Viszeralchirurgie weiter, also die operative Behandlung der Bauchorgane, etablierte die Gefäßchirurgie und war an der Gründung eines Lungenzentrums sowie des Malteser-Beckenbodenzentrums Ostsachsen beteiligt.

 

Text: Constanze Knappe für SZ-Online, 3.11.2016