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Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz

Das St. Carolus Görlitz ist auf dem Weg zum „Demenzsensiblen Krankenhaus“

Jeder ist einzigartig und gleichwertig und verdient eine Pflege die ebenso einzigartig auf die Persönlichkeit ausgerichtet ist.

03.12.2019
Die 27-Jährige Caroline Brandl ist die Projektleiterin des „Demenzsensiblen Krankenhaus St. Carolus“.
Die 27-Jährige Caroline Brandl ist die Projektleiterin des „Demenzsensiblen Krankenhaus St. Carolus“.

In Akutkrankenhäusern ist der Anteil an Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in den letzten Jahren signifikant gestiegen. Ursache ist die steigende Anzahl hochaltriger Patienten und die mit zunehmendem Alter deutlich häufiger auftretenden Demenzen. Deshalb ist die Versorgung von Menschen mit Demenz eine der großen Herausforderungen für die Krankenhäuser.

Bundesweit gibt es bisher unterschiedliche Versuche und Projekte, wie man akut erkrankte Menschen mit der Zusatzdiagnose Demenz besser versorgen kann. Sie fokussieren sich aber in der Regel auf einzelne Bereiche in den Krankenhäusern. Da aber nahezu alle Abteilungen und Bereiche eines Akutkrankenhauses bis hin zu Technik und Hauswirtschaft von der Herausforderung „Menschen mit Demenz“ betroffen sind, ist eine Kompetenz im gesamten Krankenhaus notwendig und bei allen dort tätigen Berufsgruppen.

„Die große Herausforderung ist, akut erkrankte Menschen mit Demenz so zu versorgen, dass nicht mehr Komplikationen als nötig auftreten. Ein hohes Risiko ist, dass sich die Demenz durch den stationären Aufenthalt verschlechtert. Deshalb ist es für alle Krankenhäuser dringend notwendig, sich auf Patienten mit Demenz einzustellen“, erklärt die Leiterin der Malteser Fachstelle Demenz Dr. Sottong.

Am Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz soll jetzt erstmals ein gesamtes Krankenhaus demenzsensibel ausgerichtet und „Leitkrankenhaus und Center of Excellence“ werden. Grundgedanke ist aufzuzeigen, was getan werden kann, damit diese spezielle Patientengruppe im klinischen Alltag nicht verloren geht. Zur Umsetzung des Projektes gehört, dass alle Mitarbeitenden durch Schulungen "demenzkompetent" werden, die Abläufe im Krankenhaus angepasst und das Milieu und die Orientierung im Haus demenzsensibel gestaltet werden.

Den Startschuss bildete die Übergabe von Fördermitteln in Höhe von 647.000 Euro durch Ministerpräsident Michael Kretschmer in Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im August. Der Ministerpräsident betonte: „Das Projekt hat Modellcharakter.“

Mit Projektbeginn begann für die Projektleiterin und studierte Gesundheitsmanagerin Caroline Brandl, ein intensives Jahr. Für sie sind Wertschätzung und respektvoller Umgang wichtige Bestandteile einer guten Gesundheitsversorgung im Alter: „Wir haben viele alte Menschen im Landkreis. Es ist wichtig, dass diese Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und eine Familie großgezogen haben, auch im Alter eine gute und vor allem respektvolle medizinische Versorgung erfahren."

Gemeinsam mit den Mitgliedern des interdisziplinären St. Carolus-Kompetenzteams bestehend aus Führungskräften und Vertretern aller Berufsgruppen, wird Caroline Brandl innerhalb eines Jahres die demenzsensible Versorgung im St. Carolus Krankenhaus aufbauen und deren nachhaltige Weiterführung sicherstellen.

Das Modellprojekt zum Demenzsensiblen Krankenhaus St. Carolus wird von der Planung bis zur Zertifizierung von der Malteser Fachstelle Demenz in Köln, unter der Leitung von Dr. Ursula Sottong, unterstützt und unterstützt und währenddessen vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. evaluiert.

Erste Früchte dieses Projektes konnten die Patienten und Mitarbeitenden bereits ernten. Im November wurden erstmals Alltagsbegleiter wie man sie bisher nur aus der Altenhilfe kennt als "Klinikbegleiter" für die Begleitung von Patienten mit Demenz im gesamten Krankenhaus angestellt. Der Effekt ließ auch nicht lange auf sich warten. "Die Patienten mit Demenz sind", so eine der leitenden Krankenschwestern, "deutlich ruhiger, fühlen sich wohl und angenommen in der für sie belastenden Umgebung und deutlich kooperativer in der Versorgung."

Im St. Carolus haben jetzt die Qualifizierungen nach dem Palliative Care Modell der schwedischen Silviahemmet Stiftung begonnen, damit das  Krankenhaus St. Carolus in Görlitz als erstes Akutkrankenhaus in Deutschland und weltweit demenzsensibel 2020 zertifiziert wird. 

(Text/Foto: Malteser/Stephanie Hänsch)

Ansprechpartnerin "Demenzsensibles Krankenhaus":
Caroline Brandl, Projektleitung „Demenzsensibles Krankenhaus“
Malteser Krankenhaus St. Carolus, www.malteser-krankenhaus-stcarolus.de
caroline.brandl@malteser.org, Tel. 03581 72-2057