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Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz

Hernienchirurgie am St. Carolus Krankenhaus - „Bitte nicht wegdrücken!“

Der leitende OA der Chirurgie erklärt die Diagnose und Therapie von Bauchwand- und Leistenbrüchen beim Gesundheitsforum im MKH St. Carolus

17.12.2019
Dr. Alexandros Katsougiannopoulos, Lt. Oberarzt, Facharzt für Allgemeinchirurgie, Viszeral- und Spezielle Viszeralchirurgie an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Malteser Krankenhaus St. Carolus (Foto: Stephanie Hänsch)
Dr. Alexandros Katsougiannopoulos, Lt. Oberarzt, Facharzt für Allgemeinchirurgie, Viszeral- und Spezielle Viszeralchirurgie an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Malteser Krankenhaus St. Carolus (Foto: Stephanie Hänsch)

„Ein kräftiger Hustenanfall kann der Auslöser sein!“, erklärt Dr. Alexandros Katsougiannopoulos. „Der Druck im Bauchraum nimmt zu, die Bauchmuskulatur gibt nach und durch eine Lücke in der normalerweise stabilen Bauchdecke dringen Organe und Fettgewebe durch die Muskelschichten nach außen – eine Beule entsteht.“ Der medizinische Begriff für einen Bauchwandbruch heißt Hernie.

Beim gut besuchten SZ-Gesundheitsforum im St. Carolus Krankenhaus sprach der Viszeralchirurg und Leitende Oberarzt der Chirurgie am Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz über diese häufig auftretende Krankheit. Bei Leisten- und Bauchwandbrüchen handelt es sich um Lücken in der sonst sehr stabilen Bauchdecke, die dafür sorgen, dass bei verstärktem Innendruck die Organe nach außen gedrückt werden.

Die Ursache und Lokalisation von Brüchen sind verschieden. Manche Brüche sind angeboren. Meist werden sie im Laufe des Lebens erworben, weil das Gewebe mit zunehmendem Alter als Elastizität verliert. Hernien treten am häufigsten in der Leiste, im Nabelbereich und zwischen Nabel und Brustbein und im Bereich von Operationsnarben auf. Narbenbrüche treten bei Wundheilungsstörungen, Ermüdung des Narbengewebes oder durch Husten und Pressen auf. Von Leistenbrüchen ist jeder vierte Mann und nur 3% der Frauen weltweit betroffen. In Deutschland erkranken ca. 375.000 Menschen an Brüchen (Leisten- und Bauchwandbrüche) pro Jahr. Bei einer kurzen Umfrage unter den Gästen des Gesundheitsforums im St. Carolus Krankenhaus konnte diese Zahl (nichtrepräsentativ) bestätigt werden, 30% der Männer hoben die Hand.

Warum kommt es so häufig zu Leistenbrüchen? Die Leistenkanäle sind natürliche Schwachstellen im Körper. Bei Frauen passieren die Mutterbänder die Leistenkanäle, bei Männern die Samenstränge. Die Samenstränge haben einen größeren Durchmesser als die Mutterbänder, weshalb Leistenbrüche häufiger bei Männern auftreten. Risikofaktoren sind Übergewicht oder Rauchen. Sie beeinflussen die Entstehung von Brüchen ebenso, wie vorherige Operationen, eine Schwangerschaft oder eine obstruktive Lungenerkrankung. 

Laut Dr. Katsougiannopoulos können Brüche, je nach Größe der Bruchpforte, schmerzhaft sein, stechen, ziehen und brennen. Mancher merkt es aufgrund von Problemen beim Stuhlgang. Viele Brüche verursachen anfänglich gar keine Probleme, sind manchmal schmerzhaft und manchmal nicht. Der Arzt warnt die Zuhörer vor der sogenannten Einklemmung - einer gefährlichen Komplikation des Bruchleidens, die selten auftritt aber ein hohes Risiko birgt. Wenn eine sichtbare Wölbung und Schmerzen als Symptome auftreten, rät der Arzt zu einer zeitnahen Operation innerhalb von 2 bis 4 Wochen. Für Brüche mit sichtbarer Wölbung, die erst einmal keine Beschwerden verursachen, ist Zeit genug um für den Patienten einen idealen Zeitpunkt zu finden.

Die Therapie von Brüchen ist in aller Regel eine Operation, denn „Brüche heilen nicht von selbst und sind auch nicht medikamentös behandelbar“, erklärt der Chirurg.  Während der operativen Behandlung werden die ausgestülpten Strukturen wieder in das Körperinnere verlagert, die Bruchpforte wird verschlossen und gesichert. Die Operationsmethoden und Materialien haben sich soweit entwickelt, dass auch am Malteser Krankenhaus St. Carolus, etwa ein Leistenbruch mit einem Eingriff behoben werden kann, der im Nachgang keine Beschwerden verursacht. Mit einer minimalinvasiven Technik, also per Schlüsselloch-Operation wird die Bruchpforte in der Leiste lokalisiert, das herausgetretene Gewebe wird wieder an der richtigen Stelle platziert. Ein dünnes Kunststoffnetz kommt zum Einsatz. Es wird durch das umliegende Muskelgewebe gehalten und überdeckt die Bruchpforte. Damit wird die Bauchwand an dieser Stelle gestärkt.

Dr. Katsougiannopoulos macht deutlich: Ein Gang zum Arzt ist für jeden der eine Hernie am Körper entdeckt, empfehlenswert. „Ein Bruch wird nicht kleiner, wenn er weggedrückt wird und anders als manche glauben, ist körperliche Belastung meist nicht die einzige die Ursache von Brüchen“, erklärt Dr. Katsougiannopoulos.

Chirurgisches Leistungsspektrum am Krankenhaus St. Carolus (LINK)