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Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz

Neue Pflegedirektorin bringt Schweizer Erfahrungswerte ins St. Carolus

05.01.2021
Katrin Raimann, Pflegedirektorin, Malteser Krankenhaus St. Carolus, Foto: Stephanie Hänsch/Malteser
Katrin Raimann, Pflegedirektorin, Malteser Krankenhaus St. Carolus, Foto: Stephanie Hänsch/Malteser

Seit Jahresbeginn ist Katrin Raimann die neue Pflegedirektorin am Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz und verantwortlich für 140 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel Pflegestationen, Sozialdienst, OP und Physiotherapie. Seit Oktober 2020 war die 42-jährige bereits kommissarisch als Pflegedienstleiterin im Haus tätig.

Die examinierte Krankenschwester hat am Zittauer Krankenhaus gelernt, bevor sie 2001 in den Schweizer Kanton Aargau übersiedelte. „2001 war die Zeit, als sich eine Krankenschwester eine Stelle suchen musste“, erklärt sie den Weggang. Im Kantonspital Aarau wurde die damals 24-jährige nach einem Jahr zur Stationsleitung einer interdisziplinären chirurgischen Station mit 40 Betten und 34 Mitarbeitern berufen. Ihr Arbeitgeber ermöglichte ihr berufsbegleitende Fortbildungen in Betriebsökonomie, Leadership und Case Management. „Ich habe das Handwerk der Führung in einem 600-Bettenhaus gelernt.“ Coachings und Teamcoachings, Supervision und immer wieder Reflexion begleiteten als fester Bestandteil den Arbeitsalltag auf ihrer Station.

2012 zog sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern aus familiären Gründen nach elf Jahren wieder zurück in ihren Heimatort Ostritz. Zurück in der Oberlausitz fing Katrin Raimann als Stationsleiterin der Palliativstation im St. Carolus Krankenhaus in Görlitz an. Während einer 3-jährigen Familienauszeit bildete sie sich per Fernstudium zur Psychologischen Beraterin mit Stressmanagement und Burnout-Beratung weiter. „Das Wissen darüber, den Stresshaushalt im Griff zu haben, Priorisierung und die Work-Life-Balance zu halten, davon profitiere ich sehr und es unterstützt mich auch in meiner Führungsfunktion.“ Zum Beispiel die Erkenntnis, dass man Vieles mit seiner persönlichen Einstellung ändern kann. „Die Erwartung an andere ist immer daran geknüpft, wie man selbst zum Erwarteten steht“, erklärt sie.

2018 kam Katrin Raimann zurück ins St. Carolus und wurde stellvertretende Pflegedienstleiterin in der Kurzzeitpflege. Als 2019 das Modellprojekt „Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus“ startete, war sie von Anfang an als Projektassistenz dabei und übernahm im August 2020 die Projektleitung. Die königliche Zertifizierung zum ersten „Demenzsensiblen Krankenhaus“ im November 2020 konnte dann nur virtuell erfolgen. Sie wurde von der Corona-Pandemie in den Schatten gestellt. Das St. Carolus musste 2020 den Fokus voll auf die Behandlung von Covid-19 Patienten setzen.

Seit Oktober 2020 ist Katrin Raimann als kommissarische Pflegedirektorin Teil des Pandemiestabs und bespricht mehrmals wöchentlich mit den Kollegen das Vorgehen. „Wir haben die Corona-Pandemie im Haus bisher gut gemeistert“, sagt die neue Pflegedirektorin. Aus ihrer Sicht ist es sehr wichtig, auch weiterhin die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter zu stärken. In der Krisenzeit sind die hohe Arbeitsbelastung, der erhöhte Krankenstand und der damit verbundene Personalausfall belastende Faktoren für die ihr anvertrauten Mitarbeiter. Die familiäre Atmosphäre im St. Carolus Krankenhaus helfe ihr, schnell Lösungen zu finden. „Es ist ein kleines Krankenhaus. Jeder kennt jeden und deshalb ist eine gute Zusammenarbeit möglich und ein interdisziplinärer Zusammenhalt spürbar. Ich erfahre konstruktive Teamarbeit und erhalte gute Unterstützung aus vielen Bereichen.“ Als Pflegedirektorin wünscht sie sich weiterhin eine gute Zusammenarbeit aller Berufsgruppen. Alle Mitarbeiter im Krankenhaus sollten sich auf Augenhöhe betrachten, denn allen obliegt gleichermaßen die Versorgung der anvertrauten Patienten.

Vom Freiwilligendienst in die Ausbildung, so hat sie selbst begonnen und so würde es Katrin Raimann auch heute noch dem Pflegenachwuchs raten. Den zu gewinnen und zu halten ist eine der wichtigsten Aufgaben der Pflegedirektorin. „Wir sehen, dass wir nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren die Ausbildungsplätze so einfach belegen können“, erklärt Katrin Raimann. „Natürlich werden wir in dieser Zeit manchmal als Helden dargestellt. Wir wünschen uns dennoch mehr Unterstützung auf politischer Ebene.“ Junge Menschen für die Pflege zu begeistern erfordere, dass der Beruf ganzheitlich attraktiver gestaltet wird und die Arbeit in einem Pflegeberuf mehr Anerkennung erfährt.