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Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz

Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus informiert zum Weltalzheimertag 2021

Interview mit Katrin Raimann, Pflegedirektorin und Projektleiterin des Silviahemmet-zertifizierten Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus.

23.09.2021
Infostand des Demenzsensiblen Malteser Krankenhaus St. Carolus zum Weltalzheimertag am 21.09.2021. Im Bild: Krankenhausleiterin Daniela Kleeberg, Cordula Prochnow, Krankenschwester und Referentin der Silviahemmet-Schulungen, Dr. Ursula Sottong von der Malteser Fachstelle Demenz, Klinikbegleiterin Renate Hoffmann, Pflegedirektorin Katrin Raimann.
Foto: Malteser / Stephanie Hänsch
Infostand des Demenzsensiblen Malteser Krankenhaus St. Carolus zum Weltalzheimertag am 21.09.2021. Im Bild: Krankenhausleiterin Daniela Kleeberg, Cordula Prochnow, Krankenschwester und Referentin der Silviahemmet-Schulungen, Dr. Ursula Sottong von der Malteser Fachstelle Demenz, Klinikbegleiterin Renate Hoffmann, Pflegedirektorin Katrin Raimann.

Lesen Sie ein Interview mit Katrin Raimann, Pflegedirektorin und Projektleiterin des Silviahemmet-zertifizierten Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus.

Frau Raimann, wie hat das St. Carolus zum Weltalzheimertag 2021 informiert?

Wir hatten im Foyer des Krankenhauses einen Informationsstand aufgebaut, an dem wir Besucher und Patienten darauf aufmerksam gemacht haben, wie wir im Krankenhaus mit Patienten mit Demenz umgehen, wie wir arbeiten und die Angehörigen beraten. Mit unserem Wissen über Demenz können wir den Patienten helfen, in dem wir den Alltag so strukturieren, dass der Krankenhausaufenthalt keine Bedrohung darstellt. So können wir Patienten und Angehörige unterstützen, die Angst vor einem Klinikaufenthalt abzubauen und erklären auch, welche Hilfsmittel und Institutionen es gibt, so dass Angehörige entlastet werden können.

Mit dem Demenzsensiblen Krankenhaus St. Carolus in Görlitz ist den Maltesern ein bisher einzigartiges Projekt gelungen. Was macht es so einzigartig?

Viele Krankenhäuser arbeiten bereits demenzsensibel. Darunter sind Häuser mit baulich und strukturell angepassten Stationen, die zum Teil auch zertifiziert sind. Einzigartig am St. Carolus ist, dass ein ganzes Krankenhaus demenzsensibel zertifiziert wurde und so auch arbeitet. Das heißt, dass alle Mitarbeiter geschult wurden und wissen, wie sie mit Patienten mit Demenz umgehen sollen, wenn sie diese im Haus antreffen. Baulich und strukturell wurde das Haus mit Orientierungshilfen an die demenzsensiblen Vorgaben angepasst. Das Projekt wurde wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Wo liegt der Mehrwert für die Patienten?

Unser Grundsatz war nie, mehr Patienten mit kognitiven Einschränkungen zu behandeln, sondern wir wollen, dass die Patienten, die zu uns kommen, bedürfnisorientiert betreut werden, so dass der Aufenthalt bei uns im Krankenhaus so angenehm wie möglich ist. Der Klinikalltag ist eine neue Situation für diese Patienten. Sie sind aus ihrer häuslichen Umgebung herausgerissen. Zur räumlichen Veränderung kommt die persönliche Veränderung, die sie mit ihrer Erkrankung mitbringen.

Unsere Klinikbegleiter helfen im Klinikalltag. Sie sind extra geschaffene Stellen in unserem Krankenhaus, strukturieren den Alltag der Patienten, beschäftigen sie, helfen bei den Mahlzeiten, machen Spaziergänge und begleiten die Patienten zu Untersuchungen.

Die Zertifizierung ist jetzt fast ein Jahr alt. Können Sie schon ein erstes Resümee ziehen?

Die Inhalte der Demenz-Schulungen haben den Umgang der Mitarbeiter mit den Patienten nachhaltig positiv beeinflusst, indem ihre Aufmerksamkeit auf das Thema Demenz und den Umgang damit gerichtet wurde. Wenn ein Patient zum Beispiel sagt, „Ich bin hier zu Hause und mache das so und so“, dann nimmt man das so auf uns sagt nicht vehement: „Nein, Sie sind hier im Krankenhaus!“

Gab es Anfragen anderer Krankenhäusern oder Institutionen über die Erfahrungen als Demenzsensibles Krankenhaus zu berichten?

Ja, die gibt es und auch Institutionen fragen nach Erfahrungsberichten. Am kommenden Wochenende sprechen wir auf dem Sächsischen Geriatrietrag 2021 in Dresden über unsere Erfahrungen und zeigen unseren Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus auf. Bereits im März 2021 hat Cordula Prochnow, Krankenschwester am St. Carolus und Referentin der Silviahemmet-Schulungen, bei der Online Konferenz der Nationalen Demenzstrategie der Bundesregierung über unsere Erfahrungen in der Betreuung von Demenzerkrankten unter den besonderen Bedingungen der Pandemie-Einschränkungen referiert. Wir würden uns wünschen, wenn weitere Krankenhäuser mit uns Kontakt aufnehmen, um sich über die Erfahrungen austauschen.

Wie schätzen Sie die Nachhaltigkeit dieses Modellprojektes ein?

Alle neuen Mitarbeiter wurden von uns in Demenzkompetenz geschult. Wichtig ist, dass wir dranbleiben, diese Schulung immer wieder allen Mitarbeitern anbieten und den Austausch untereinander ermöglichen. Dabei sollten neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden und in die Schulungen einfließen. Dafür erarbeitet ein Kompetenzteam aus Mitarbeitern gerade ein Konzept, wie der regelmäßige Austausch über Alltagserfahrungen und die Weiterbildung gelingen kann.

Wann ist es für mich als Angehörige sinnvoll, mich zum Thema Demenz an das Krankenhaus zu wenden?

So zeitig wie möglich. Es kann ja vorkommen, dass aufgrund der fehlenden Selbstständigkeit nach einem operativen Eingriff eine andere Betreuung notwendig ist. Dann ist es wichtig, Absprachen zu treffen und besonders auch in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Hilfsmittel zu organisieren, die vielleicht vorher noch nicht notwendig waren.

Es ist richtig, als Angehöriger den ersten Schritt zu wagen und zu kommunizieren, dass eine demenzielle Erkrankung die eigene Familie betrifft, das erste Hilfsangebot anzunehmen und eine Beratung zu suchen. Die Angehörigensprechstunde im Malteser Krankenhaus St. Carolus gibt auch seelische Unterstützung, in dem Angehörige mit uns sprechen können und den Kummer und die Sorgen loswerden. Wir beraten zurzeit die Angehörigen unserer Patienten in einer Sprechstunde*. Zukünftig ist geplant, die Beratung auszuweiten auf Personen außerhalb des Krankenhauses, deren Angehörige nicht hier im Krankenhaus behandelt werden.

 

Frau Raimann, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephanie Hänsch, Unternehmenskommunikation Malteser Sachsen-Brandenburg gGmbH.

 

*Informationen zur Angehörigensprechstunden finden Siehier.